Wenn Zahnpasta den Zahnschmelz belastet – der RDA-Wert erklärt
Empfindliche Zähne? Vielleicht liegt es an der Zahnpasta
Empfindliche Zähne, feine Zahnhals-Schmerzen oder raue Stellen nach dem Putzen? Viele kennen das Gefühl – doch kaum jemand weiß, dass die Ursache oft nicht falsches Putzen, sondern die Zahnpasta selbst ist.
Was auf der Tube meist unscheinbar wirkt – der RDA-Wert – kann großen Einfluss auf den Zustand deiner Zähne haben. Denn er zeigt, wie stark eine Zahnpasta den Zahn „abschmirgelt“.
Gerade wer empfindliche Zähne, Zahnspangen, freiliegende Zahnhälse oder weichen Zahnschmelz hat, sollte diesen Wert kennen – um nicht ungewollt seine Zähne zu schädigen.
Was bedeutet der RDA-Wert überhaupt?
Der RDA-Wert (Relative Dentin Abrasivity) gibt an, wie stark eine Zahnpasta das Dentin (Zahnbein unter dem Zahnschmelz) abträgt.
- Je höher der Wert, desto abrasiver wirkt die Zahnpasta.
- Je niedriger der Wert, desto schonender ist sie für Zähne und Zahnfleisch.
Eine grobe Einteilung:
- 0–70: niedrige Abrasivität – sanft zur Zahnsubstanz
- 70–100: mittlere Abrasivität – guter Kompromiss
- 100–250: hohe bis sehr hohe Abrasivität – nur für kurzfristige oder spezielle Anwendungen
Wichtig: Nicht nur der RDA-Wert zählt - auch Putztechnik, Zahnbürstenhärte und Säureeinwirkung beeinflussen, wie stark Zähne wirklich abgetragen werden.
Warum hohe RDA-Werte problematisch sein können
In Europa sind zwar RDA-Werte bis 250 erlaubt – doch so abrasive Zahnpasten können bereits nach wenigen Anwendungen sichtbare Schäden verursachen.
Vor allem Whitening-Zahnpasten setzen auf starke Putzkörper, um Beläge und Verfärbungen zu entfernen – was auf Dauer den Zahnschmelz dünner werden lässt.
Das Ergebnis:
- Zähne werden empfindlicher
- Der Zahnschmelz nutzt sich ab
- Der Schutz vor Karies nimmt ab
Gerade bei Zahnspangen-Trägern, Kindern und Menschen mit freiliegenden Zahnhälsen sind milde Zahnpasten die bessere Wahl.
Wie wird der RDA-Wert gemessen?
Im Labor werden Zähne unter standardisierten Bedingungen getestet – meist an Dentin, also dem weichen Zahnbein unter dem Zahnschmelz.
Dabei wird gemessen, wie stark die Zahnpasta Material abträgt – im Vergleich zu einem Referenzwert.
Daher steht RDA auch für „relative Dentin Abrasivity“ oder „radioactive Dentin Abrasion“.
Da dieser Test im Labor stattfindet, ist er nur bedingt auf den Alltag übertragbar – Faktoren wie Bürstendruck, Putzdauer und Bürstentyp spielen im echten Leben eine große Rolle.
Empfehlungen für verschiedene Bedürfnisse
|
Personengruppe |
Empfohlener RDA-Bereich |
Hinweise |
|
Kinder / Milchzähne |
35–50 |
Schonender Schutz für dünnen Zahnschmelz |
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Zahnspangen-Träger |
<70 |
Sanfte Reinigung, um zusätzlichen Abrieb zu vermeiden |
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Empfindliche Zähne / Zahnhälse |
<70 |
Reduziert Reizungen und Schmerzempfindlichkeit |
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Erwachsene ohne Beschwerden |
70–100 |
Gute Balance zwischen Reinigung und Schutz |
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Whitening-Anwendung (kurzfristig) |
100–150 |
Nur gelegentlich, nicht für den Dauereinsatz |
RDA-Werte für Kinder – besonders wichtig!
Da der Zahnschmelz von Milchzähnen deutlich dünner und empfindlicher ist, wird für Kinderzahnpasta ein RDA-Wert zwischen 35 und 50 empfohlen.
So wird ein guter Kompromiss zwischen Reinigung und Schonung erreicht.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der KKH Krankenkasse zeigt:
Knapp die Hälfte der Kinder zwischen 3 und 12 Jahren benutzt eine Zahnpasta für Erwachsene.
Das kann problematisch sein, denn viele Erwachsenenzahnpasten liegen über dem empfohlenen RDA-Wert und können bei dauerhafter Nutzung den Zahnschmelz schädigen.
Zusätzlich ist der Fluoridgehalt bei Erwachsenenprodukten höher (bis 1.500 ppm gegenüber 1.000 ppm bei Kinderzahnpasta).
Eine übermäßige Fluoridaufnahme kann bei Kindern Dentalfluorosen verursachen – sichtbare weiße oder bräunliche Flecken auf den bleibenden Zähnen.
Zahnpasten mit niedrigem RDA-Wert – sanft & schützend
Ideal bei empfindlichen Zähnen, freiliegenden Zahnhälsen oder Zahnspangen.
- Pearls & Dents Zahncreme – RDA ca. 28 → ultrasanft zum Zahnschmelz, ohne Titandioxid
- Ajona Stomaticum – RDA ca. 30 → Hochergiebig, sanft und intensiv wirksam
- UltraDex Whitening – RDA ca. 38 → Eine innovative, antibakterielle Zahnpasta
- Megasonex Whitening – RDA ca. 47 → hilft, den Zahnschmelz wieder aufzubauen
- UltraDex Zahnpasta – RDA ca. 53 → pflanzliche Alternative mit sanften Putzkörpern
Fazit: Sanft reinigen statt Wegschmirgeln
Der RDA-Wert ist kein Marketingdetail – er ist entscheidend für die Zahngesundheit.
Wer seine Zähne langfristig schützen möchte, sollte nicht nur auf Fluorid und Geschmack, sondern auch auf den Abrasionswert achten.
Vor allem bei empfindlichen Zähnen oder Zahnspangen gilt: Weniger ist mehr.
Eine Zahnpasta mit niedrigem RDA-Wert schützt, pflegt und erhält das natürliche Lächeln – ganz ohne Risiko für Zahnschmelz oder Dentin.
FAQ – Häufige Fragen zum RDA-Wert
1. Wo finde ich den RDA-Wert?
Meist nur online oder auf Anfrage beim Hersteller.
2. Ist eine hohe Abrasivität besser?
Nicht für empfindliche Zähne – sie kann mehr Zahnsubstanz abtragen.
3. Können Kinder Zahnpasta für Erwachsene nutzen?
Besser nicht – niedrigere RDA-Werte und weniger Fluorid schützen Milchzähne.
4. Wie kann ich Abrieb reduzieren?
Weiche Bürste, sanfter Druck, nicht direkt nach säurehaltigen Speisen/Zahnpflege.
5. Soll ich Whitening-Zahnpasta meiden?
Nein, nur gelegentlich (1–2× pro Woche), nicht täglich.